Ein Mann, Zwei Meinungen

Guttenberg ist zurückgetreten und mal wieder in aller Munde. Auch wir haben uns über dieses Ereignis Gedanken gemacht. Heute gibt es zwei Texte zu einem Thema.


 

Ein Guttenberg-Fan begrüßt den Rücktritt


Karl-Theodor zu Guttenberg ist soeben zurück getreten. Ich finde das schade, aber auch richtig – und habe eigentlich darauf gewartet.
Zu Guttenberg kam sehr ehrlich und, wie sagt man so schön, hemdsärmelig rüber. Er hat die Probleme angepackt, ein Machertyp. Er hat frischen Wind in die eingestaubten, deutschen  Bundeswehrstrukturen gebracht. Er hat den Eindruck erweckt, sich nicht von Dienstgraden blenden zu lassen. Ich denke, diese Eigenschaften wussten auch die Soldatinnen und Soldaten sehr zu schätzen. So schien es mir zumindest und daher bin ich auch jetzt noch offiziell ein Guttenberg-Fan.
Dennoch finde ich seine Entscheidung richtig und würde von einem verantwortungsbewussten Menschen auch nicht anders erwarten. Natürlich kann man einen Menschen nicht teilen in den Verteidigungsminister zu Guttenberg und den Rest zu Guttenberg, siehe Frau Merkels kläglicher Versuch der Schadensbegrenzung. Akademische Titel sind nicht nur die Buchstaben vor dem Namen einer Person. Mit einem akademischen Titel verbindet man Gelehrsamkeit, Fleiß, Disziplin und eine gewisse Ordnung im Denken. Zu Recht wird einem akademischen Titel Beachtung und Achtung geschenkt. Darüber war sich zu Guttenberg bewusst, sonst hätte er auf den Titel verzichten können. Auch wenn ich zu Guttenberg die oben genannten Eigenschaften nicht absprechen möchten, hat er diese Eigenschaften zumindest beim Verfassen seiner Doktorarbeit nicht gezeigt. Vielmehr hat er allen, die sich durch die Literaturberge ihrer Abschlussarbeiten kämpfen, Hörner aufgesetzt. Er meinte offensichtlich, aus welchen Gründen auch immer, für ihn würden die Regeln Wissenschaftlichen Arbeitens nicht gelten. Hier geht es nicht um eine kleine Verfehlung, die jedem und jeder schon einmal begangen hat. Hier geht es um Unehrlichkeit, Bequemlichkeit und letztlich um Betrug – und solche Eigenschaften bei einem Minister, der ohne Frage auch eine Vorbildfunktion inne hat, sind absolut fehl am Platz. Ich finde es gut und beachtenswert, dass zu Guttenberg eben nicht nur die Plagiatsaffäre zum Anlass für seinen Rücktritt genommen hat (die vielleicht nur durch Zufall an die Öffentlichkeit gelangt ist), sondern eben auch von sich selber enttäuscht ist. Dieses Eingeständnis finde ich wichtig.

 

Jeder Mensch macht Fehler. Jeder Mensch muss die Konsequenzen seines fehlerhaften Handels tragen. Aber, wer ehrlich und nachhaltig seine Fehler eingesteht und aus diesen lernt, hat eine Chance verdient. Ich hoffe, zu Guttenberg bekommt diese Chance. Nicht heute und auch nicht morgen, aber irgendwann in Zukunft. von Conny

 

 

Guttbye Herr von und zu, hello neue Möglichkeiten


Er hat es tatsächlich getan, Herr von und zu sowieso ist zurückgetreten und packt jetzt seinen sieben Sachen zusammen.
Meine Gefühle zu diesem Thema pendeln sich irgendwo zwischen einem dumpfen aha und einem Hauch von Mitleid ein. Wenn ich mir vorstelle wie er die Rahmen mit den Bildern seiner Frau und seiner Kinder in einen großen Pappkarton steckt und seinen goldenen Füllfederhalter von seinem Mahagonitisch räumt, seinen Kolleginnen und Kollegen ein letztes mal salutiert und sich auf den Weg zur Agentur für Arbeit macht, regt sich in mir ein Gefühl, welches ich niemals mit Guttenberg in Verbindung bringen wollte. Genau genommen hatte ich bisher nie irgendwelche Gefühle in Bezug auf Guttenberg, außer dieses eine, welches ich für jeden Verteidigungsminister bereit halte, denn die stehen in meiner Gunst generell eher weiter unten. Ich mein, wer sich das freiwillig zur Aufgabe macht, mit dem kann doch irgendwas nicht stimmen. Aber sozial wie ich bin habe ich mich trotzdem gefragt: Hat er wohl geweint? Und, was macht er jetzt?
Falls er sich dazu noch keine Gedanken gemacht haben sollte, kann er mich gern anrufen, dann würde ich ihm sagen: lieber Karl, keine Sorge ich weiß was zu tun ist.

 

1. Geh ins Fitnessstudio und trainiere so viel du kannst, du brauchst Muskeln.
2. Nimm Flugstunden, Alternativen zum Flugzeug sind sehr Vorteilhaft.
3. Schaffe dir eine zweite Identität.
4. Besorg dir Möglichst viel technischen Schnick Schnack, Laserschwerter, explodierende Manschettenknöpfe und so Zeug, ich mach mir da nichts vor, du kennst dich mit Waffen besser aus als ich.
5. Kauf Stoffe in grellen Farben, wie wäre es mit Schwarz und Gelb?
6. Bitte deine Frau, dir einen engen Anzug und ein Cape zu nähen.
7. Komponiere einen Song für deine Auftritte, heroisch und pathetisch, nutze die ganze Bandbreite eines Orchesters. Achtung: auch Songs haben Urheberrechte.
8. Überleg dir einen neuen Namen. Ich empfehle: Mr. Fantastic, CaptainCharming oder SuperGutte.
9. Such die superfiesen Superbösewichte, du weißt: je stärker der Feind desto größer der Ruhm.
10. Geh raus und rette die Welt.

 

Also Karl, alles ganz einfach, werde Superheld so wie du es immer sein wolltest und alles wird wieder gut. von Steffi

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3 Kommentare zu Ein Mann, Zwei Meinungen

  1. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie direkt so ein Hype verglüht. Durch Libyen und Japan ist zu Guttenberg von einem Tag auf den anderen verschwunden. Man hat noch den Großen Zapfenstreich mit Smoke on the water in Erinnerung, seitdem liest und sieht man nichts, weder von Guttenberg selbst noch von seinen angeblich vielen Fans.

  2. Pingback: Kate & William – eine Hochzeit, zwei Meinungen | Im Licht der Neonröhren

  3. Matthias sagt:

    Ich habe grade selber meine Bachelorarbeit geschrieben und muss ganz ehrlich sagen, natürlich ist das eine sehr umfangreiche Arbeit, die man da anzufertigen hat und normalerwiese ist auch klar, das diese Arbeiten genaustens kontrolliert werden müssen, da haben wir schon den ersten Fehler seitens der „Uni“. Nur weil man ein „zu“ im Namen hat, ist das kein Freifahrtsschein für einen Doktortitel, andere haben da wirklich echte Arbeit reingesteckt und bekommen ihn am Ende gar nicht erst. Als es dann schon aufgedeckt wurde, das Herr zu Guttenberg seine Arbeit zu einem sehr großen teil abgeschrieben hat, wäre es nur anständig gewesen, das ganze von vorn herein zu zu geben, da hatte er sowieso bereits verloren, aber zu sagen, er hätte „nichts“ abgeschrieben, hat ihm ja letztlich seine bisherige Karriere versaut. Aber abschließend kann man dazu sagen: „Ehrlich währt am längsten“ ;)

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