neunundzwanzig A

Zwei Jahre habe ich mich versucht darauf vorzubereiten. Zwei Jahre, in denen ich mir eingeredet habe, dass es für eine Frau nicht schlimm ist, wenn sie 30 Jahre alt wird. Die Vorbereitungen haben nichts genützt! Viele schlaflose Nächte hat mich dieses Thema gekostet. Mindestens ein Dutzend Falten habe ich dadurch bekommen. Zum Schluss habe ich rückwärts gezählt: Jetzt sind es noch sechs Wochen, noch fünf, noch zwei Tage, noch eine Stunde, in der ich jung und spritzig sein werde. Denn es schien mir so, als ob das Leben mit 30 ja schon so gut wie vorbei ist. Und als ich angefangen habe, mich gelegentlich damit abzufinden, dass jeder nunmal diese magische Altersgrenze überschreiten wird, kamen die Aussagen der lieben Freunde: „Du wirst ja bald 30. Du hast doch kein Problem damit, oder?!“ Ich bin der Meinung, dass alle Frauen ein Problem damit haben, das die „zwei“ verschwindet. Und die die, es nicht haben, geben es nur nicht zu.

Es geht nicht darum, dass ich mit 30 mehr Falten habe, als mit 29. Und auch nicht darum, dass meine Haut nicht mehr so straff an den Unterseiten der Arme sitzt und auch nicht darum, dass ich mit 30 eventuell mehr Zellulitis habe, als mit 29. Es geht einfach um die Zahl. Sie klingt alt! Sie klingt Erwachsen und das möchte ich irgendwie noch gar nicht sein! Sie klingt danach, dass man nicht mehr ausgelassen in einer Disko feiern kann, ohne das andere denken, „was will die denn noch hier“. Und es geht darum, das ich überlegen muss, ob ich noch einen Minirock tragen sollte oder nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese 30 Jahre so verdammt schnell vergangen sind. Und mit nur einem Wimpernschlag sind die nächsten 10 Jahre vergangen – dann bin ich in den 40ern. Und ganz schnell sind auch diese 10 Jahre wieder um.

Laut der älteren Generation sind die 30er die schönsten Jahre im Leben überhaupt. Man ist gesetzter, hat sein Leben im Großen und Ganzen im Griff. Stimmt, dass konnte ich als Teenager nicht immer von mir behaupten. Man wird von der Umwelt um einiges mehr respektiert als noch mit 20. Stimmt, ich muss ganz sicher keinen Ausweis mehr vorzeigen, wenn ich einen Kinofilm ab 18 schauen will. Man ist nicht mehr auf Mama und Papa angewiesen. Ok, dass stimmt nicht ganz. Jetzt geht es halt nicht mehr ums Taschengeld, sondern um die Nachmittagsbetreuung meiner Kinder. Und das Beste, ich habe mir sagen lassen, dass der Sex mit 30 erst so richtig gut werden soll. Stimmt – stimmt nicht, das bleibt mein Geheimnis.

So, nun bin ich 30 und geändert hat sich irgendwie nichts. Also habe ich einen Kompromiss mit mir und meinem Alter geschlossen. Ich bin keine 30, zumindest nicht in Gedanken. Ich bin 29A! Und wenn ich 40 werden, dann bin ich eben 29K! von Nancy

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