Fernbeziehungen- Ich liebe dich zwei Tage weit


Viel diskutiert und dabei meist zerredet. Das Für und Wider wurde unzählige Male in unterschiedlichsten Arten und Weisen besprochen und abgewogen und doch… niemand braucht eine psychologische Erörterung oder einen Ratgeber im Bild-der-Frau-Stil, wenn er selbst in der Haut eines Fernbeziehungsgeplagten steckt,… wenn 48 Stunden die Welt bedeuten! So, wie bei mir. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal lauthals verkündete, lieber Single zu sein, als meinen Partner mehr in der Ferne, als an meiner Seite zu wissen. Das ich nicht erst Stunden überwinden möchte, bevor ich seine Nähe erfahren darf. Seit gut zwei Jahren lebe ich in Erfurt und seit knapp einem halben Jahr führe ich eine noch sehr junge, aber deshalb nicht weniger innige Beziehung auf Zeit, eine Partnerschaft, die eigentlich nur am Wochenende ihrer wundervollen Bestimmung folgen darf und von Montag (der jedes Mal einem kalten Entzug gleicht) bis Freitag via moderner Medien, schier künstlich am Leben erhalten wird. SMS, Chats und gelegentliche Telefonate sind bezeichnend für diese Art der Partnerschaften, gleichen aber eher einem liebeserhaltenden Defibrillator.

Dazu kommen diese qualvollen Stunden, in denen die Gedanken ihren eigenen Weg gehen… Pulsierend formieren sich dann Herr und Frau Eifersucht, Unwissenheit und Verlustangst zu einer umtriebigen Allianz, welche den besorgten Liebenden oder besser Leidenden in eine emotionale Konfusion stürzen, gefangen halten und ihn meist erst wieder los lassen, wenn man die bessere Hälfte endlich, endlich wieder um sich weiß… Doch auch das verkommt eher zu einem Bauernhandel, wenn ich an die schmerzlichste und gleichzeitig kontroverseste Diagnose aller Fernbeziehungen denke: der Sehnsucht. Ihre Präsenz ist allumfassend, ihre Wirkung raubt dem Betroffenen nicht selten den Verstand. Es gleicht einem Gefühl der Gefangenschaft, zu welcher man keine weitere Alternative findet, als gedanklich die verbleibenden Tage an der imaginären Wand abzustreichen und zu leiden… Aber dem Sehnenden gleichzeitig auch, die Stärke der Gefühle bewusst macht. Jemanden aus der tiefsten Tiefe und mit all seinen Sinnen zu vermissen, lässt auch mich manchmal beseelt die Augen schließen. Denn nach allem ist doch ein großes Geschenk, wenn einem selbst diese Empfindung zuteil wird.

Zugegeben: Es ist ein immer wieder kehrender Drahtseilakt aus Nähe und Distanz, aus
Verlangen und Vorfreude… Aber spätestens in dem Moment, wenn ich die Treppen zu „unsere“ Wohnung hoch steige und spüre, dass sich die Welt die nächsten zwei Tage nur noch um uns drehen wird, dann weiß ich, dass ich den selben, steinigen, aber wundervollen Weg immer wieder (mit ihm) gehen würde…
Es ist Freitag nachmittag und ich bin froh, dass es nicht anders ist. Denn es bedeutet, dass ich nur noch einen Flügelschlag von meinem zweiten Leben entfernt bin- mein Wochenende! von Cathleen

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