„Was haben sie denn noch so da?“

„Was haben sie denn noch so da?“, diese Frage höre ich mich stellen. Ich stehe dabei nicht an der Wursttheke im Supermarkt und auch nicht vor den Schnäppchenangeboten im Klamottenladen. Nein, ich bin im Tierheim.

Seit Langem denke ich darüber nach, mir eine Katze aus dem Tierheim zu holen. Das hat zwei Gründe: 1. Ich möchte eine erwachsene Katze haben, die meistens entspannt abhängt. Junge Katzen sind zwar süß, neigen aber zum Nerven. 2. Es klingt in diesem Zusammenhang vielleicht etwas seltsam, aber ich finde es schön, Schicksal oder Zufall zu spielen. Ganz egal, welches von beiden, auf jeden Fall würde sich das Leben der ausgewählten Tierheimkatze doch gewaltig verändern. Plötzlich hätte sie eine kleine Familien um sich, einen Platz nur für sich allein und Streicheln, wann immer es gewünscht wäre. Ich finde den Gedanken schön, dass das Leben nicht nur schlecht oder nur gut verlaufen muss.

Ok. ich stehe vor Elvis, einem weiß-roten Kater, der sofort auf mich zustürmt und seinen Kopf an meinen Beinen reibt. Die Mitarbeiterin des Tierheims lächelt mich an und sagt: „Elvis kann sogar Männchen!“ Das soll mich wohl überzeugen, dass Elvis der „Richtige“ ist. Nur, das ist Elvis nicht. Ich mag keine Katzen, die sich anbiedern, die ständig um mich herumschleichen und schon gar nicht mag ich, wenn Tiere alberne Kunststücke machen. Ich denke: „Elvis, es tut mir leid. Du bist süß und das Leben ist ungerecht!“ und gleichzeitig sage ich: „Was haben sie denn noch so da?“ Gott, was für eine herzlose Frage. Die Mitarbeiterin des Tierheim nickt mir irgendwie verständnisvoll zu und wir betreten gemeinsam den Nachbarraum.

Dort sitzt eine graue Katzendame in ihrem Körbchen, schaut mich verschlafen an – und wartet ab. Ich gehe auf sie zu, streichle sie ein bisschen – sie nimmt es gelassen hin. Die Mitarbeiterin des Tierheimes sagt mir: „Silly kann ihren Schwanz nicht mehr bewegen, der ist gelähmt.“ Ist mir völlig egal. Ich bin bereits in Silly verliebt, sehe sie im Haus am Ofen liegen und durch den Garten schleichen. Ich höre mich sagen: „Die nehme ich!“

Mittlerweile gehört Silly zur Familie. Ich denke, sie hat ein schönes Leben bei uns. Manchmal bekomme ich ein schlechtes Gewissen, weil ich sie wie ein Stück Wurst oder ein Kleidungsstück ausgesucht habe. Oder habe ich nicht? Außerdem bin ich hin und wieder sprachlos angesichts der Zufälligkeit des Lebens. Letztlich hat doch nur dieses „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ entschieden. Oder nicht?  von Conny

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